[size=18]Ein Zwischenstopp in Herzogenaurach [/size]
Die Polin Marianna Kuras wollte einfach irgendwohin und landete bei den Shorthorns
Marianna Kuras heißt die neue Topscorerin der Shorthorns. Dass ihre Würfe jetzt in Herzogenaurach durchs Netz fallen, ist zu einem großen Teil dem Zufall und der Reiselust der Polin geschuldet.
HERZOGENAURACH — Am Anfang stand eine Idee ohne richtigen Plan. Kuras und ihr Freund Michal Peciakowski, ein polnischer Erstligavolleyballer, hatten Lust auf Veränderung. „Wir sind in Polen ohne festes Ziel losgefahren. Wir wollten irgendwohin, egal ob nach Deutschland oder Frankreich“, sagt Kuras.
Klar war nur, dass beide weiter Sport treiben wollten. Kuras war in Polen bereits weit herumgekommen, hatte mit zwei Teams in der ersten Liga gespielt. Als Peciakowski dann aus Eltmann das Angebot erhielt, auch in Deutschland erstklassig Volleyball zu spielen, stand fürs erste fest, wo die Reise endet. Alleine ein Verein für Kuras musste gefunden werden.
Schließlich entschied sie sich mit Bauchschmerzen für die DJK Bamberg: „Ich wollte dort eigentlich nicht spielen“, sagt sie heute. Vielleicht weil sie erahnte, dass das junge Team in der Domstadt dem Abstieg aus der zweiten Liga entgegensah. So kam es und am allerwenigsten lag das an der 25-jährigen Polin, die auch in Bamberg am häufigsten traf: „Für mich war das Jahr wichtig, um zu sehen, wie Basketball in Deutschland funktioniert“, zieht sie aus dem Abstieg noch Positives.
Weniger professionell gehe es in Deutschland zu, hat sie festgestellt. In Polen wird „sechs Mal in der Woche trainiert, oft zwei Mal am Tag“. In Deutschland, wo kaum Geld zu verdienen sei, ist die Trainingsbeteiligung geringer. Dennoch sei das Niveau in etwa dasselbe.
Da ihr Freund in Eltmann verlängerte und Kuras keine höherklassigen Angebote hatte, bot es sich an in der Region zu bleiben und in Herzogenaurach einen weiteren Zwischenstopp einzulegen. Coach Steffen Dauer hatte sich um die Studentin bemüht, „weil wir letztes Jahr in den Spielen gegen Bamberg ihre Qualitäten schätzen gelernt haben“. Ein sicherer Wurf und eine intelligente Spielauffassung zeichnen Kuras aus. Da sie zudem in atemberaubender Geschwindigkeit mehr als passabel Deutsch gelernt hat, war es laut Dauer „kein Problem“ sie in Herzogenaurach zu integrieren.
Dort hat Kuras, die auch hier schnell wieder zur besten Schützin avancierte, ein Team vorgefunden, das „noch nicht realisiert hat, wie gut es ist“. Trotz Rückschlägen wie der deutlichen Niederlage gegen Nördlingen am Samstag glaubt sie, dass „die Mannschaft besser abschneiden kann als in der vergangenen Saison“.
Ob sie, die irgendwann nach Polen zurückkehren will, auch in der kommenden Spielzeit über das Herzogenauracher Parkett rennt, steht in den Sternen: „Ich denke nur von Samstag zu Samstag.“ Man glaubt es ihr. Schließlich würde alles andere viel zu sehr nach Plan aussehen.
FADI KEBLAWI
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